Toleranzen für den 3D-Druck
In der Welt der traditionellen Fertigung sind Ingenieure an enge Toleranzen gewöhnt, die oft im Bereich von Mikrometern liegen. Aber beim 3D-Druck müssen die Erwartungen angepasst werden. Toleranzen – das akzeptable Maß an Maßabweichungen zwischen CAD und gedrucktem Teil – spielen eine entscheidende Rolle für die Funktionalität von Teilen, insbesondere bei der Entwicklung von ineinandergreifenden oder mechanischen Komponenten.
Zu wissen, wie viel Spielraum Sie lassen müssen, wie sich verschiedene Technologien verhalten und wie Sie Schrumpfung oder Nachbearbeitung einplanen müssen, ist der Schlüssel zum Entwurf von 3D-gedruckten Teilen, die passen und wie vorgesehen funktionieren.
Was bedeutet Toleranz beim 3D-Druck?
Die Toleranz bezieht sich auf die zulässige Abweichung von den vorgesehenen Abmessungen eines gedruckten Objekts. Dies ist besonders wichtig bei Baugruppen, beweglichen Teilen, Schnappverbindungen oder zusammenpassenden Komponenten, bei denen selbst der Bruchteil eines Millimeters die Passform oder die Bewegung beeinflussen kann.
Da es sich beim 3D-Druck um ein additives Verfahren handelt, bringt jede Schicht leichte Abweichungen mit sich – aufgrund von Temperatur, Materialfluss, mechanischen Einschränkungen oder dem Verhalten des Pulvers (bei pulverbasierten Systemen). Das bedeutet, dass die Toleranzen beim 3D-Druck oft größer sind als bei subtraktiven Verfahren und dass sie stark vom Drucker, dem Material und der Umgebung abhängen.
Standard-Toleranzbereiche nach Technologie
Verschiedene 3D-Drucktechnologien bieten ein unterschiedliches Maß an Genauigkeit und Wiederholbarkeit. Hier ist, was Sie normalerweise erwarten können:
- FDM/FFF: von +/-0,15 mm bis +/-0,3 mm, oft mehr für große Teile oder Low-End-Drucker,
- SLA/DLP: ±0,1-0,2 mm, mit großer Detailtreue, aber der Gefahr des Verziehens bei größeren Teilen,
- SLS: ±0,2 mm oder ±0,3%, mit guter Isotropie und ohne stützenbedingte Verzerrung,
- MJF: Ähnlich wie SLS, aber etwas bessere Einheitlichkeit in den Abmessungen,
- DMLS/SLM (Metall): ±0,1-0,2 mm, wobei ein Schrumpfungsausgleich vorgesehen werden muss,
- PolyJet: ±0,1 mm oder besser, geeignet für detaillierte, hochpräzise Modelle.
Diese Bereiche sind typisch – nicht absolut – und können je nach Teilegröße, Geometrie, Maschinenkalibrierung und Nachbearbeitungsschritten variieren.
Entwerfen mit Freiraum im Hinterkopf
Wenn Sie Teile entwerfen, die zusammenpassen müssen, ist der Abstand genauso wichtig wie die Toleranz. Ohne ausreichenden Abstand zwischen den Oberflächen können gedruckte Teile verschmelzen, reiben oder einfach nicht zusammenpassen.
Als Faustregel gilt.
- Verwenden Sie mindestens 0,2-0,4 mm Abstand für SLS/MJF,
- Beginnen Sie bei FDM mit 0,4-0,6 mm, insbesondere bei größeren Drucken,
- Für SLA können 0,1-0,2 mm ausreichen, aber die Teile können durch das Aushärten des Harzes aufquellen,
- Testen Sie im Zweifelsfall die Passform mit einem Toleranz-Testdruck für Ihre Drucker-Material-Kombination.
Denken Sie daran, dass sich Toleranzen über Baugruppen hinweg akkumulieren – wenn also zwei Teile jeweils um ±0,2 mm abweichen, kann ihre kombinierte Abweichung die Ausrichtung erheblich beeinflussen.
Wie Sie die Maßhaltigkeit verbessern können
Ein gewisses Maß an Abweichungen ist zwar unvermeidlich, aber es gibt Strategien zur Verbesserung der Ergebnisse:
- berücksichtigen Sie Schrumpfung und Verformung bei Materialien wie PA12 oder ABS,
- Kalibrieren Sie Ihren Drucker regelmäßig – insbesondere die Achsen und den Materialfluss,
- Richten Sie Ihr Teil strategisch aus, um Überhänge und Schrumpfungszonen zu minimieren,
- verwenden Sie Toleranztestmodelle (wie Sliding Cubes oder Snap-Fit-Benchmarks), um die „reale“ Leistung Ihres Rechners zu ermitteln,
- Nachbearbeitung, wenn nötig – wie z.B. Schleifen, Reiben oder Bearbeiten, um die endgültige Passform zu erreichen,
Zusammenfassung
Das Entwerfen von Toleranzen ist ein entscheidender Faktor für den technischen Erfolg beim 3D-Druck. Unabhängig davon, wie fortschrittlich die Technologie ist, werden die Teile immer ein gewisses Maß an Maßabweichungen aufweisen. Wenn Sie die zu erwartenden Toleranzen Ihres Druckverfahrens kennen und Abstände in Ihre Entwürfe einplanen, vermeiden Sie Frustrationen bei der Montage, fehlerhafte Passungen oder zeitaufwändige Nachdrucke.
Bei der korrekten Toleranzplanung geht es nicht nur um Präzision, sondern auch um Zuverlässigkeit, Wiederholbarkeit und intelligentes Design von Anfang bis Ende.
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